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GDT ENJ 2018 Maximilian Hornisch

© Oberlausitzerin64 CC-BYsa3.0

Grenzgänger – von Zöllnern und Schmugglern

Bis 19. September 2021

Eine kurze Geschichte des Zolls und Schmuggels an deutschen Grenzen
Im Rahmen des kulturgeschichtlichen Museumsnetzwerkes zum Themenjahr ‚Provinz‘ 2021 (des Kulturraums Niederrhein e.V.), in dem das kulturgeschichtliche Umfeld der römischen Hinterlassenschaft beleuchtet wird und sich unter dem Motto „PROVINZ“ mit Grenzen, Herrschern und Hinterlandmythen auseinandersetzt, realisiert das Kulturzentrum Sinsteden des Rhein-Kreises Neuss eine kulturgeschichtliche Ausstellung zum Thema Grenzen, Zölle und Schmuggelware.

Bereits in der römischen Antike beginnt der Zoll in Germanien: Um 69 bis 96. N.Chr. wurden mit der Ausdehnung des römischen Reiches erstmalig auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands Zölle erhoben. Die militärisch gesicherte Grenze, der Limes, ermöglichte an den Passagierstellen eine sichere Kontrolle des Personen- und Warenverkehrs. Doch Zollstationen gab es nicht nur an den Außengrenzen des Reiches, auch im Binnenland an wichtigen Straßen, Flussübergängen und den Häfen. Zollpflichtig waren alle mitgeführten Gegenstände außer Reisebedarf und Reisegerät wie Wagen und Gespanne. In dieser Zeit ist die Konfiskation der Waren und der Transportmittel die ausschließliche Strafandrohung für eine Zollhinterziehung.

In der Neuzeit, vor allem nach der Neugliederung Europas 1814 teilte sich der Deutsche Bund in 41 souveräne Mitglieder, den zahlreichen kleinen Herzogtümern und Königreichen. Da jedes kleine Herzogtum seine Zölle selbst festlegen und kontrollieren konnte, gab es keine gemeinsame Wirtschafts- und Zollpolitik. „Wer sich 1815 von Köln nach Königsburg aufmachte, musste Geduld mitnehmen. Auf der Strecke standen 80 Zollstationen und an jeder kam ein Kleinstaatsdiener, nahm alles unter die Lupe und kassierte die eine oder andere Gebühr.“

Erst unter der Regierung Preußens wurde der Deutsche Zollverein gegründet, der die zahlreichen Binnenzölle aufhob und den Warenaustausch erheblich vereinfachte. In dieser Zeit endet die Ära der großen Schmuggler- und Räuberbanden.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden in Deutschland Genussmittel wie Kaffee und Tabak sehr hoch besteuert und der Schmuggel blühte von Neuem auf. 1949 überwog die illegale Einfuhr dieser Güter sogar die der legalen. Da auch die privaten Reisen ins Ausland zunahmen, bildeten sich an deutschen Grenzen Ende der 50 er Jahre lange Schlangen, die der Zoll kaum abfertigen konnte. Aus Sicht des Zolls überwogen die Ärgernisse der Bevölkerung die zu erwartenden Eiinnahmen und das Schmuggelprivileg wurde eingeführt, das bis heute Bestand hat.

Mit der Ausstellung „Grenzgänger – von Zöllnern und Schmugglern“ wird an Hand einiger ausgewählter Beispiele deutlich, wie sich seit der Antike nicht nur der Zoll, sondern auch die Schmuggler stets auf neue politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Gegebenheiten eingestellt haben und auch die Geschichte des Niederrheins zwischen Maas und Rhein maßgeblich mit beeinflusst haben. Objekte, Fotografien, Projektionen, Filme und Zeitungsartikel begleiten die Ausstellung und dokumentieren den wechselseitigen Einfluss des Zolls und des Schmuggels. Als Begleitprogramm werden Konzerte und Vorträge angeboten, die Lernwelt Sinsteden betreut Schulklassen und Kindergärten und bietet spezielle Führungen an. Ein Bustransfer wird angeboten.