Vorschau

Teutscher Reis und Peper van Indien – Neue Pflanzen in heimischen Gefilden

07. Februar 2019 – 02. Juni 2019

Eine Kooperation mit dem städtischen Museum Schloss Rheydt

Die Ausstellung „Teutscher Reis und Peper van Indien – Neue Pflanzen in heimischen Gefilden “ beginnt in der Renaissance und mit dem Renaissanceschloss Rheydt. Sie richtet den Blick auf Pflanzen, die mit den Entdeckungen seit jener Zeit ihren Weg zu uns fanden. Die Adeligen in ihren Herrensitzen gehörten zu den ersten, die in Gärten und Parks neu entdeckte Pflanzen kultivierten, die neuen Nahrungsmittel genossen – oder sie in ihren Kunst- und Wunderkammern und Galerien künstlerisch verewigen ließen.

Doch der Blick reicht viel weiter und geht über das Thema der Renaissance hinaus. Die Bandbreite der eingeführten Pflanzen ist ebenso groß wie deren Geschichte unterschiedlich. Nahrungsmittel wie die Kartoffel – die wohl zu den bekanntesten Übernahmen aus der neuen Welt zählt – wie Mais, Tomaten oder Reis sind hier zu nennen. Genussmittel wie Kaffee, Kakao oder Tee, die meisten Gewürze, etwa Pfeffer, Zimt, Vanille oder Senf, Früchte wie Apfelsine, Zitrone, Ananas und Banane – ohne die „Zuwanderer“ aus anderen Teilen der Welt wäre unsere Speisekarte deutlich karger. Dasselbe gilt für den Blick in Gärten, Grünanlagen, Parks und Gewächshäuser. Ob Tulpen, Narzissen, Dahlien oder Orchideen, kaum etwas stammt aus unseren Breiten. Die Liste unserer Heilpflanzen wäre erheblich kürzer, und auch diejenige der Nutzpflanzen.

Richtet man den Blick zusätzlich auf die Archäophyten, so sieht es im mitteleuropäischen Raum noch düsterer aus. Die Römer brachten den Wein, und selbst die Urform des Kohls fand erst durch die Kelten aus dem Mittelmeerraum zu uns. Auch die Linse, Ackerbohne, Lein und Kamille mussten zunächst heimisch gemacht werden, sogar die elementaren Getreidesorten wie Gerste, Weizen und Dinkel. Letztlich stammen praktisch alle Getränke die wir konsumieren aus – neuen – Pflanzen: neben den genannten Kaffee, Tee, Kakao und Wein gilt dies auch für Bier, Korn, Whiskey, Wodka, Saft, Limonade oder Cola.

Die Geschichten der einzelnen Pflanzen lesen sich manchmal nahezu abenteuerlich. Etwa die der Tulpe, die im frühen siebzehnten Jahrhundert in den Niederlanden einen regelrechten Börsencrash auslöste. Oder die der „Teeklipper“, die eigens konstruiert wurden, um im Wettlauf um die neusten Teesorten die Nase vorn zu haben.

Die Kartoffel wurde gezielt eingesetzt, um in vorindustriellen Zeiten die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen und Hungersnöte abzuwehren. Am bekanntesten an dieser Stelle sind wohl die Initiative des Preußenkönigs Friedrich II. und seine entsprechenden „Kartoffelbefehle“. Gezielt setzte er Pfarrer ein, deren Anbau zu fördern, die sogenannten „Knollenprediger“.

Begleitend zur Ausstellung gibt es einen Katalog, 60 Seiten mit farbigen Abbildungen, Texte von: Reinhard Feldmann, Kathrin Wappenschmidt, Karl-Heinz Wiegmann. Preis: € 5,-